Zum Hauptinhalt springen

Steuerleitfaden für Deutschland

🔵 Kryptowährungs-Leitfaden

Kryptowährungstransaktionen in Deutschland unterliegen besonderen steuerlichen Regeln. Ob Steuern anfallen, hängt vor allem von der Haltedauer deiner Kryptowährungen und der Art der Einkünfte ab. In diesem Artikel erfährst du, welche Transaktionen steuerpflichtig sind, wann sie steuerfrei sein können und welche weiteren Regeln du kennen solltest.


Besteuerung von Gewinnen aus Kryptowährungen

Wenn du deine Kryptowährungen veräußerst – zum Beispiel durch Verkauf, Tausch oder die Verwendung als Zahlungsmittel – kann ein steuerpflichtiger Gewinn entstehen.

  • Haltedauer von bis zu einem Jahr: Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften sind grundsätzlich steuerpflichtig.

  • Haltedauer von mehr als einem Jahr: Gewinne sind in der Regel steuerfrei.

Die Haltedauer wird nicht zurückgesetzt, wenn du Kryptowährungen zwischen deinen eigenen Wallets oder Börsenkonten überträgst. Bei Schenkungen und Erbschaften gelten besondere steuerliche Regelungen. Sie beginnt erst dann neu, wenn eine steuerlich relevante Veräußerung stattfindet.

Veräußerungen, die einen Gewinn oder Verlust auslösen können

Die folgenden Transaktionen gelten in Deutschland in der Regel als Veräußerungen und können einen steuerpflichtigen Gewinn oder Verlust auslösen:

  • Verkauf: Verkauf von Kryptowährungen gegen Euro oder eine andere Fiat-Währung

  • Tausch: Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere Kryptowährung, einschließlich Stablecoins

  • Zahlungen: Verwendung von Kryptowährungen zum Kauf von Waren oder Dienstleistungen

  • Schenkung: Bestimmte Schenkungen von Kryptowährungen

  • DeFi-Transaktionen: Bestimmte DeFi-Transaktionen, bei denen Kryptowährungen gegen andere Vermögenswerte getauscht werden

  • NFT-Transaktionen: Bestimmte NFT-Transaktionen, bei denen Kryptowährungen veräußert werden

Transaktionen, die in der Regel keine Veräußerung auslösen

Die folgenden Transaktionen lösen in Deutschland in der Regel keinen steuerpflichtigen Gewinn oder Verlust aus:

  • Interne Übertragung: Übertragungen zwischen deinen eigenen Wallets oder Börsenkonten sowie andere reine Verwahrungstransfers ohne Eigentumswechsel

  • DeFi-Einzahlung: Bestimmte DeFi-Einzahlungen, sofern dabei kein Tausch gegen einen anderen Vermögenswert erfolgt

Freigrenze für Veräußerungsgewinne

Für Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften gilt eine Freigrenze von 1.000 € pro Kalenderjahr.

Liegen deine gesamten Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften bei höchstens 1.000 €, bleiben sie steuerfrei.

Wird diese Grenze überschritten, ist grundsätzlich der gesamte Gewinn steuerpflichtig.

Beispiel:
Erzielst du im Kalenderjahr einen Gewinn von 900 €, fällt keine Steuer an.

Erzielst du einen Gewinn von 1.100 €, wird grundsätzlich der gesamte Gewinn steuerpflichtig.

Berechnung des Gewinns

Der steuerpflichtige Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen Veräußerungserlös und Anschaffungskosten.

Zur Ermittlung der Anschaffungskosten wird in Deutschland grundsätzlich das FIFO-Verfahren (First In, First Out) angewendet. Die Berechnung erfolgt dabei walletbezogen.

Weitere Informationen zu Berechnungsmethoden findest du im entsprechenden Artikel.

Verluste

Verluste aus steuerpflichtigen privaten Veräußerungsgeschäften können grundsätzlich mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.

Nicht genutzte Verluste können unter bestimmten Voraussetzungen in zukünftige Steuerjahre vorgetragen werden.

Ob Verluste aus verlorenen oder gestohlenen Kryptowährungen steuerlich berücksichtigt werden können, hängt vom Einzelfall und den verfügbaren Nachweisen ab.


Einkommensteuer

Einkommensteuer kann anfallen, wenn du Kryptowährungen als Einkünfte erhältst. Dazu gehören beispielsweise:

  • Arbeitseinkommen: Gehalt oder Lohn in Kryptowährung

  • Mining-Belohnungen: Krypto als Belohnung für Mining

  • Staking-Belohnungen: Krypto für Staking

  • DeFi-Belohnungen: Erträge aus Liquidity Mining, Yield Farming oder Lending

  • Steuerpflichtige Airdrops: Krypto im Austausch für Aktionen (z. B. Projektwerbung)

  • NFT-Minting/-Verkäufe: Einnahmen aus NFT-Aktivitäten

  • ICOs/IEOs: Bestimmte Token-Zuteilungen im Zusammenhang mit ICOs oder ähnlichen Projekten

Für bestimmte sonstige Einkünfte gilt grundsätzlich eine Freigrenze von 256 € pro Jahr. Werden höhere Einkünfte erzielt, können diese steuerpflichtig sein.


Erbschaftsteuer

Kryptowährungen, die im Rahmen einer Erbschaft übertragen werden, unterliegen der Erbschaftsteuer. Der steuerpflichtige Wert wird durch den Marktwert der Kryptowährung zum Zeitpunkt der Erbschaft bestimmt.

Die Steuersätze und Freibeträge hängen vom Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erblasser und Erbe ab: Ehepartner haben z. B. einen Freibetrag von 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkelkinder 200.000 € und andere Verwandte oder Dritte 20.000 €.

Die Steuersätze reichen von 7 % bis 50 %, abhängig von der Höhe der Erbschaft und dem Verwandtschaftsgrad.


Wo du deine Kryptowährungen angibst

Kryptowährungen werden im Rahmen deiner jährlichen Einkommensteuererklärung angegeben. Die relevanten Angaben erfolgen in der Regel über den Hauptvordruck ESt 1 A sowie die Anlage SO.

Welche Formulare und Zeilen für dich relevant sind, hängt von der Art deiner Transaktionen und Einkünfte ab.

Weitere Informationen zu Erklärungspflichten und zur steuerlichen Behandlung deiner Kryptowährungen findest du im entsprechenden Artikel.


Steuer- und Erklärungspflichten

In Deutschland beginnt das Steuerjahr am 1. Januar und endet am 31. Dezember.

Für das Steuerjahr 2024 endet die reguläre Abgabefrist am 31. Juli 2025, wenn du deine Steuererklärung selbst einreichst.

Wenn du einen Steuerberater oder einen anderen zur Hilfeleistung in Steuersachen befugten Berater beauftragst, verlängert sich die Frist in der Regel.

Da sich Fristen ändern können, solltest du die jeweils aktuellen Vorgaben des Finanzamts prüfen.

Hat dies deine Frage beantwortet?